The Young Gods Play Kurt Weill

The Young Gods Play Kurt Weill„Es gibt nur gute Musik oder schlechte Musik“, hat Kurt Weill einmal zu einem Interviewer gesagt. Allerdings war damals das Sampling noch nicht erfunden, jenes technische Verfahren, welches es erlaubt, aus guter Musik schlechte zu machen und aus schlechter gute. The Young Gods aus der Schweiz simulieren sampelnd eine Heavy-Metal-Band, obgleich das eingesetzte Verfahren, satten Gitarren-Breitseiten-Akkorden elektronisch den Nachhall zu cutten, vermutlich jedem Heavy-Metaller das Blut in den Adern gefrieren lassen würde. Aber The Young Gods haben ohnehin andere Zielgruppen (welche eigentlich?) und covern hier unbekümmert Brecht/Weill-Songs, Klassiker wie „Mackie Messer“, „September Song“, „Seeräuber-Jenny“ und natürlich den „Alabama Song“.

Kennen wir, das haben doch auch schon The Doors gemacht, ebenso wie David Bowie, Lou Reed und Bing Crosby, könnte man jetzt maulen. Doch wer erst einmal hört, wie The Young Gods den zähnebewehrten Haifisch in einer atonalen Krachorgie abfeiern oder uns mit dem schrägsten, kaputtesten Orgelsound den Weg zur nächsten Whisky-Bar zeigen, der wird den Epigonenvorwurf schnell zurücknehmen und sich einlassen auf eine durchweg spannende Weill-Interpretation, die als lexikalischer Eintrag für den Begriff Cross-over fungieren könnte. Weill hätte diese mit knapp 33 Minuten leider etwas kurz ausgefallene Auslegung seines Werks mit Sicherheit gefallen.

The Young Gods Play Kurt Weill
CD, 1991, Play It Again Sam / SPV

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