Brian Eno: Before and after Science

Brian Eno: Before and after ScienceDie Frage nach dem besten Album verbietet sich bei Brian Eno schon durch die Vielseitigkeit seines Schaffens, das von den schrägen Glamrock-Experimenten seiner Zeit als Mitglied von Roxy Music über ziselierte Pop-Miniaturen in „Another Green World“ bis hin zu seiner wegweisenden Ambientmusik alle zeitgenössischen Spielarten von Pop und E-Musik abdeckt.


„Before and after Science“ gehört aber sicher zu den interessantesten Alben der langen Karriere des 1948 in Suffolk, England, geborenen Ausnahmemusikers und Produzenten. Im Punkjahr 1977 erschienen, bietet es auf der ersten (LP-)Seite eine perfekte Vorwegnahme der Stile, die Eno in den Folgejahren mit prägen sollte: Das rhythmisch pulsierende Ethno-Intro „No one receiving“ könnte auch einem Talking-Heads-Album der „Remain in Light“-Phase entnommen sein, während das trashige „King’s Lead Hat“ wie ein Rohentwurf für die späteren Sounds von Ultravox und Devo klingt. Klassischen Popsongs wie „Backwater“ mit seinen hüpfenden Pianoakkorden und fetten Bläsersätzen stehen Sound-Miniaturen gegenüber wie „Energy fools the Magician“, eine Art Rohvorlage für die dräuende Atmosphäre der etwa zeitgleich entstandenen Bowie-Alben „Low“ und „Heroes“.
Die zweite Seite wird eingeleitet vom wunderschönen „Here he comes“: Gesang war zwar nie die besondere Stärke von Eno, doch umspült von den schmuseweichen Gitarren und Moogs strahlt seine Stimme auf diesem Album stets eine perfekt zu den Songs passende lakonische Versöhnlichkeit aus. Mit „Julie with …“ und „By This River“, letzteres 2001 im Soundtrack des Moretti-Films „Das Zimmer meines Sohnes“ („The Son’s Room“) verwendet, taucht dann Eno immer weiter ab in eine nachdenkliche, aber nie düstere Introvertiertheit, die erst mit dem hymnenhaften „Spider and I“ am Schluss des Albums wieder aufgebrochen wird.
Eno realisierte die 10 zusammen mit Rhett Davies bis ins Detail perfekt ausgeklügelten und produzierten Songs selbstverständlich mit hochkarätiger Unterstützung: Phil Collins und Jaki Liebezeit an den Drums, Fred Frith, Phil Manzanera, Robert Fripp, Paul Rudolph und Moebius an Gitarren und Bass. Ein auch heute noch frisch klingendes Dokument der Popgeschichte und die genau passende Sounduntermalung für gemütliche, nasskalte Winterabende.
Brian Eno: Before and after Science
CD, 1977 (CD-Reissues 1987, 2004), EG Music / Virgin

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