IKEA und die Duzerei

IKEA-Katalog 2006Normalerweise freue ich mich ja immer auf den neuen IKEA-Katalog und blättere ihn gerne durch, um im Geiste meine Wohnung mit neuen Möbeln mit so klangvollen Namen wie LEKSVIK auszustatten. Doch wie entsetzt war ich, direkt auf den ersten Seiten gnadenlos geduzt zu werden: „IKEA feiert seinen 30. Geburtstag. Feier mit!“ Das nicht etwa auf den Kinderseiten, nein, die meinen mich! Und auch, wenn auf manchen Seiten wieder Hoffnung auf eine würdige Anrede aufkeimt, etwa auf Seite 179 bei der Beschreibung des Weckers SLABANG („Kreieren Sie Ihren persönlichen Weckerton“), handelt es sich nur um vereinzelte Siez-Ausrutscher, ansonsten herrscht der harsche Duz-Imperativ: „Schaff dir deinen Erfrischungsraum!“, heißt es streng, und: „Mach dir Notizen!“

Anna von IKEAIch fühle mich angepampt und flüchte zur IKEA-Homepageneues Fenster. Der Menüpunkt „Frag einfach Anna!“ macht mir Hoffnung, und prompt poppt ein Blondchen auf.

„Wie geht es Ihnen?“, leite ich das Gespräch höflich ein.

„Schau mich an. Mir geht es gut und ich freue mich auf deine Frage.“ Anna holt mich schnell von der Siez-Ebene herunter. Ich werde direkter: „Warum duzen Sie mich?“

„Wir bei IKEA duzen uns“, lässt sie mich lapidar wissen. Und auch meinem Einwand „Aber ich arbeite doch gar nicht bei IKEA“ kann sie abhelfen, denn das lässt sich ja ändern: „Hier erfährst du mehr über den Einstieg in unsere schwedische Talentschmiede. Unabhängig davon, ob du als Auszubildende/r, Trainee oder Führungskraft mit Berufserfahrung bei uns einsteigen möchtest.“ Nein danke.

Besonders hakt die Duzerei natürlich, wenn man sich den IKEA-Katalog gemeinsam anschaut. Konnte man das „Sie“ auch noch in zweiter Person Plural als gemeinsame Anrede verstehen, wird jetzt jeder für sich allein angequatscht. IKEA macht einsam.

15 Gedanken zu „IKEA und die Duzerei

  1. Du, Julian,
    du musst das verstehen: Ikea ist siebziger Jahre, Ikea kommt aus „Hey do!“ Schwedenland und da gehört das einfach so…
    Ich weiß, es ist nicht einfach mit dieser ganzen du-Geschichte – allein die Frage, ob es groß oder klein geschrieben werden soll, birgt ja zum Beispiel jede Menge an Zündstoff.
    Aber beim nächsten Ikea-Besuch kriegst du nen paar Köttbullar und schon sieht die Welt wieder ganz anders aus!
    Alles wird gut!
    Anke

  2. Welch merkwürdige Zufälle es doch gibt. Über eben dieses Bett und die Merkwürdigkeiten bei IKEA unterhielt ich mich gestern mit einem Bekannten und nun lese ich in diesem Artikel heute darüber. Ich glaube, ich will auch einen Köttbullar!
    Ja, alles wird gut!
    ;-)) Karola Häpp

  3. Verehrter Julian,
    mit anderthalbjähriger Verspätung stelle ich zu meinem Vergnügen – und mit einer gewissen Beruhigung – fest, daß meine Aversion gegen die Ikea-Duzerei offenbar keine Macke eines vereinzelten Exzentrikers ist… Ihre unerquickliche Erfahrung mit dem virtuellen Wesen „Anna“ kann ich nur bestätigen. Entnervt von den unbekümmert-fröhlichen Antworten der Dame arbeitete ich mich schließlich bis zur Email-Adresse ihres Arbeitgebers vor, dem ich folgende Nachricht zukommen ließ:
    „Sehr geehrte Damen und Herren,
    jedes Mal, wenn ich Ihre Firma virtuell im Internet oder real in Berlin-Tempelhof besucht habe, fühlte ich mich durch die distanzlose Duzerei irritiert, mit der Sie Ihre Kunden hierzulande – im Unterschied etwa zu Frankreich – überfallen. Diese Art der Anrede, die eine nicht vorhandene Vertraulichkeit vorgaukelt (oder schlimmer noch: erzwingen will), empfinde ich als eine Respektlosigkeit, der ich mich in Zukunft nicht mehr auszusetzen gedenke.
    Mit freundlichen Grüßen“
    Natürlich werden die Elche diese Abmahnung nicht zum Anlaß nehmen, ihre Sprach“philosophie“ zu ändern, aber zumindest hoffe ich doch, daß es sie ein wenig ärgern wird, einen langjährigen Kunden verloren zu haben.
    In diesem Sinne und mit besten Grüßen
    Matthias Wolf

  4. ich werde auch nichts von Ikea kaufen, solange man dort Das Geduze nicht abschafft…ich lehne sogar Geschenke von ab, die bei Ikea gekauft wurden

  5. Zufällig bin ich auf diese Seite gestoßen und bin wie immer mal wieder geschockt, was im Internet so zu finden ist. Geschockt über das enge Denken und über Intoleranz. Geschockt über Menschen, die ihr offenbar übergroßes Ego dadurch noch unterstrichen haben müssen, dass man sie distanziert und nicht persönlich anspricht. In was für einer Welt leben wir eigentlich?
    Aber vielleicht ist das Einfordern des Siezens der hilflos verzerrte Schrei gegängelter und gedemütigter deutscher Bürger, die ihrem Unmut gegenüber einem immer repressiver werdenden Systems Ausdruck verleihen möchten. Dafür hätte ich noch Verständnis. Aber lasst euren Unmut doch nicht dort aus, wo es völlig unangebracht ist. Ich freue mich, wenn ich freundlich mit du angesprochen werde. Fühle mich zu Hause. Aber ich muss meinen Selbstwert Gott-sei-Dank auch nicht daraus beziehen, gesiezt zu werden, um mich als Mensch ausreichend gewürdigt und ernst genommen zu fühlen.
    Mit konstruktiven Grüßen an die armen leidenden Seelen, die offenbar keine anderen Probleme im Leben haben, als sich über das Duzen bei Ikea aufzuregen. Schön, dass es euch so gut geht.

  6. ich könnte ja verstehen wenn man sich über die inkonsistenz zwischen mal DUzen und mal nicht ereifert… aber warum ist es nicht ok, wenn ein angebot, was man selbst aktiv wahrnimmt jemanden duzt?

  7. Die Schweden betreiben ihr Geschäft in Deutschland, und da wird Fremden und noch viel mehr Kunden mit SIE Respekt gezollt.Es ist einfach eine Unverschämtheit!
    Ich wollte mal die Freigeister sehen, die von einem Polizisten mit DU angehauen würden. Da hört die Toleranz ganz schnell auf.

  8. Nie wieder IKEA !
    Kreditkartenzahlung kostet dort 2,50 EURO Gebühren.Vom Berliner Kammergericht längst untersagt!Telefonisch ist kein Geschäft erreichbar.Die Hotline quakt Minutenlang, was man alles drücken soll. Und das kostet.E-Mail giebt es nicht, und wenn, dann ohnde Antwort.
    Das rumgeduze nervt, und diese virtuelle Anna soll Dienstleistung suggerieren. Die sieht in Deutschland anderst aus.
    Der Kunde wird in jedem Laden mit Linksdrall in einen IKEA Irrgarten geführt, um ja noch den letzten Sperrmüll zu besichtighen. 2 x umgezogen, einmal Sperrmüll. IKEA sei Dank

  9. Habe eine Mail an IKEA gesandt, was denn passiert, wenn ich anfange Mitarbeiter im IKEA-Möbelhaus zu Duzen. Antwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Probieren Sie (!!!) es doch einfach mal.

  10. Im Übrigen: Ich fände es überhaupt nicht schlimm, wenn ich von IKEA-Mitarbeitern geduzt werden würde. Das gehört eben zu dieser Firma und ist bekannt. Wer das nicht möchte, sollte so ein Möbelhaus nicht erst betreten.

  11. Wenn man bei IKEA.ch die Frage: „Warum siezen Sie mich?“ eingibt, dann bekommt man folgende Antwort:
    „Sie können mich sehr gerne duzen, aber haben Sie bitte nichts dagegen, wenn ich Sie weiterhin sieze.“
    Stellt man die gleiche Frage bei IKEA.DE erhält man diese Reaktion:
    „Bei IKEA duzen wir uns, was zunächst mit unserer Herkunft zusammen hängt. In Schweden sagt man „du“ und pflegt trotzdem einen höflichen und respektvollen Umgang miteinander. Weiterhin haben wir uns für das „du“ entschieden, weil wir uns dir, als unseren Kunden, heute nach 30 Jahren enger verbunden fühlen denn je.“
    Erstaunlich oder? Warum werden die Schweizer mit Samthandschuhen angefasst?

  12. Die Frage nach dem Sie oder Du ist eine Frage so alt wie die Welt, jedenfalls kommt es mir so vor. Natürlich muss man hier aber auch kulturelle Unterschiede mit bedenken und da wundert es einen schon, das Ikea Deutschland die Kunden duzt. Schließlich ist es allgemein bekannt, dass die Deutschen eher distanziert auf neue Menschen zugehen und dabei immer sehr höflich sind. Abstand wahren lautet dabei die Devise.
    Vielleicht möchte Ikea aber einfach nur, das wir Deutschen etwas offener werden. Außerdem wird duzen auch oft mit Jugendlichkeit gleichgesetzt. Also müssen wir uns wohl einfach damit abfinden oder eben nicht mehr bei Ikea einkaufen gehen.
    Eines sei aber noch gesagt: Spätestens wenn man etwas reklamiert oder beanstandet, wechseln die Mitarbeiter ganz schnell wieder zum Sie!

  13. Letzteldich recht machen kann man es nie jemanden. Ich finde den Akzent der Stimme passt zum duzen, wäre es im Werbespot eine deutsche Stimme wäre das wohl doch anders angekommen.

  14. HAA! Was les ich da! Erstmal natürlich: klar, dass jemand mal die Duzerei bei IKEA zur Sprache bringt. Das ist nicht jedem recht – nix Neues.
    Aber was les‘ ich noch?
    In Frankreich NICHT?
    Da kann ich Ihnen allen auch mal von meinen (F)-ebay-Auktionen berichten, bei denen ich in all den Jahren niemals von einem französischen Käufer/Verkäufer geduzt worden bin. In Frankreich ist da offenbar nur das „vous“ sittsam.
    Handelt es sich da um was Sportliches oder was mit Videospielen, schalten Deutsche gerne aufs „Du“ – Franzosen können sich das (fast) nicht vorstellen.
    Somit kann ich sehr gut verstehen, warum IKEA seinen frz. Kunden nicht mit etwaiger „tutoyage“ vor den Kopf stoßen will.
    Bonne idée, les gars.

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