Mini Auto, große Liebe

Es war eine Art Liebe auf den ersten Blick. Auf dem Hof eines Rover-Händlers stand er: ein Austin Mini Baujahr 1978. Wohlgemerkt kein „Rover“, sondern ein echter „British Leyland“, in leicht verblichenem Metallic-Blau, mit schwarzem Velourseffekt-Dach, wie es in den 70ern eben „schick“ war. Natür lich hatte der Mini auch noch Holztäfelung, zwei Handschuhfächer (drei, wenn man den Kofferraum mitzählt ;-)), und diesen wunderschönen, verchromten, riesigen Tacho in der Mitte.

Naja, für 2000 DM war er dann wenige Tage später mein. Hätte ich geahnt, was für einen Rattenschwanz an Reparaturkosten der Spontankauf nach sich ziehen würde, wäre ich wohl reumütig zum nächsten VW-Händler gelaufen. Allein die Original-British-Leyland-Embleme für vorne und hinten – irgendein Fan hatte sie mir nachts entwendet – beliefen sich auf mehr als 80 DM.

mini.jpgDas Einsteigen (ich bin 1,88 groß) sah zwar immer sehr klappmessermäßig aus, aber drinnen waren die Platzverhältnisse unerwartet gut – man sitzt in diesen Dingern ja auch schließlich fast auf dem Boden. Und – im Mini befindet man sich im permanenten Geschwindigkeitsrausch, bereits 90 km/h kommen einem vor wie 150 in anderen Autos. Kleinere Pannen – einmal flog mir bei Tempo 110 eine Dachleiste weg – schaut man einem solchen Auto natürlich gerne nach, auch den immensen Öldurst und den leckenden Kühler nahm ich in Kauf. Im Kofferraum hielt ich Wasser und Öl in stets großen Mengen vorrätig. Außerdem hatten die Konstrukteure eine geniale Wasserstandskontrolle für den Kühler eingebaut: Sank der Pegel auf ein kritisches Maß, fiel die Heizung aus. Ein System, das leider nur im Winter funktionierte.

Überhaupt fiel immer mal wieder etwas aus. Die Zuliefererfirma der elektrischen Teile wurde nicht umsonst früher „Erfinder der automobilen Dunkelheit“ genannt, und so konnte es passieren, dass man nächtens auf der Landstraße plötzlich 300 Meter durchs Stockdunkel fuhr, bevor sich die elektrische Anlage wieder berappelte.

Pannen gab es vorzugsweise bei Regen. Doch in diesem Zusammenhang lernte ich den „Wie niedlich“-Effekt des kleinen Autos schätzen – immer war sofort Hilfe da. Ich erinnere mich an einmal, ich war mitten in einer unübersichtlichen Autobahnabfahrtskurve liegengeblieben, da stoppte ein Morris Minor Baujahr ca. 1965, und der Leiter des hiesigen Mini-Clubs erbarmte sich meiner. Doch nach zwei Jahren war der Spaß dann endgültig vorbei, der leidgeplagte Motor verabschiedete sich mit einem Kolbenfresser. War es Ölmangel? Noch heute fühle ich mich ein wenig schuldig …

Der Text erschien erstmals 1998 bei „907“. Etwas sachlichere Infos zum Mini finden Sie hier.

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