Marions Kochbuch: erfolgreich mit Brötchen und Toast

toastbrotscheibe.jpgUnlängst war in der c’t ein interessanter Artikel von Holger Bleich mit dem Titel „Abgekocht“ zu lesen. Es ging um die Website „Marions Kochbuch“ und im Speziellen um den Website-Betreiber Folkert Knieper, der, so die c’t, „mit Lebensmittelfotos Kasse macht“. Die von ihm aufgenommenen Fotos, die die Rezepte illustrieren, sind dabei oft von profanster Art und – ein Schelm, wer Arges dabei denkt – in der Google-Bildersuche äußerst leicht aufzufinden. Ob man nun „Frikadelle“, „Nudelsalat“, „Brötchen“ oder „Toast“ eingibt, immer ist unter den ersten Treffern ein Foto aus „Marions Kochbuch“. So nimmt es nicht wunder, dass viele, die eben mal schnell eine entsprechende Abbildung brauchen, sich dort bedienen.

So auch, ich gebe es zu, das Echolog. Als ich im April letzten Jahres einen kleinen Beitrag über die sprachliche Differenzierung zwischen „Toast“ und „Toastbrotscheibe“ verfasste, illustrierte ich diesen, es lebe die Bildsuche bei Google, mit einer getoasteten und einer ungetoasteten Toastbrotscheibe, und erwischte dabei prompt eines der Kunstwerke von Knieper, jetzt nicht mehr auf dieser Seite, aber nicht unähnlich dem Foto, mit dem dieser Artikel eingeleitet ist. Und tatsächlich erreichte mich nun eine Abmahnung der Rechtsanwaltskanzlei von Knieper, in der ich darauf hingewiesen wurde, dass ich ein urheberrechtlich geschütztes Bild verwenden würde. Ich solle es von meinen Seiten entfernen und soundsoviel Euro für eine nachträgliche Lizenz sowie für die Abmahnkosten zahlen. Immerhin, der Betrag war deutlich geringer als bei den in der c’t genannten Beispielfällen.

torte.jpg
Wunderschöne Torte, nicht von Knieper fotografiert.

Was soll man machen? Ich entfernte und zahlte. Und stellte bei meinen Recherchen fest, dass ich mich in guter Gesellschaft befinde. Es gibt haufenweise Klagen in der Netzgemeinde und eine ganze Reihe von Berichten. Über die Abmahnwelle berichtete unter anderem schon SPIEGEL ONLINE.

Update 19.02.2008:
Berichte finden sich weiterhin in folgenden Weblogs (die ersten drei Google-Suchergebnisseiten in alphabetischer Reihenfolge, ohne inhaltliche Wertung):

Notizblog
Pop64.de
Pottblog
Rückseite der Reeperbahn
Software Guide
Spreeblick

10 Gedanken zu „Marions Kochbuch: erfolgreich mit Brötchen und Toast

  1. Abmahnen ist voll *******, da gibt’s nichts. Aber Urheberrechte verletzen geht auch nicht. Ich würde es vernünftiger finden, wenn der Herr den Webmastern, die seine Bild klauen, einfach ne Rechnung im Rahmen der üblichen Honorare schickt. Wenn die dann nicht zahlen kann er immer noch klagen.

  2. Stimme im Großen und Ganzen dem Michael zu.
    A) sollte man als erwachsener Mensch in der Lage sein Kontakt zu dem „schlimmen“ Webmaster aufzunehmen und ihn zu bitten die Datei/Bild/Link/Text etc zu entfernen.
    Sollte der „böse“ Webmaster das dann nicht machen sehe ich eine Abmahnung als Ausweg an. Da auch diese Art „Raubkopierer“ sich vermehrt, ist ja mal schnell kopiert so eine Seite mit Bildchen (copy+paste sei dank).
    B) Wenn Abmahnung dann auch bitte richtig !
    Nur weil einer das Bild einer stilvoll inszenierten Currywurst Pommes von einer anderen Webseite klaut, darf das noch lange nicht heißen das das Bild dann gleich mehrere Tausend Euro wert ist, es ist im Regelfall immernoch ein Amateuerfoto und kein Picasso.
    Es sollte auch für solche Sachen eine „Schwacke-Liste“ geben.
    Text kopieren : 20 Euro pro X Wörter
    Bild kopieren : 50 Euro
    etc.
    Es soll ja nur weh tun und abschrecken und nicht gleich ganze Familien in den Ruin treiben.
    C)
    Wer diesen Text kopiert,zitiert oder ein Bild davon macht, erklärt sich zur Zahlung von 20 Euro + Anwaltsgebühren bereit 😉
    Mengenrabatt ab 10 Kopien 🙂

  3. Sicherlich ist es richtig, dass Urheberrechte nicht verletzt werden dürfen, aber die Frage, die sich hier stellt, ist es einem Forenbetreiber zumutbar jeden einzelnen Beitrag auf eine etwaige Urheberrechtsverletzung zu prüfen ?
    Zumal in vielen Fällen, ebenso wie in dem hier zitierten, sicherlich nicht die Beseitigung der Urheberrechtsverlezung im Fokus steht, sondern die finanzielle Bereicheung mittels dieser Abmahnungen.
    Und hier sollte eindeutige Regelungen für solche Fälle getroffen werden.

  4. @Lpg: Es ist nicht nur zumutbar sondern Pflicht. Sicher fast nicht machbar in eigenen Fällen, aber dennoch.
    Abmahnungen sind eine ganz üble Sache. Wie gesagt, eine übliche Honorarrechnung ist sicher angebrachter.
    Allerdings gibt es dann immer noch die Fälle, wo der Urheber gar kein Honorar haben möchte (weil er seine Werke nicht auf anderen Websites sehen möchte), sondern einfach sein Urheberrecht gewahrt sehen will. In einem solchen Fall kann der Urheber nicht einfach dududu sagen und gut ist.
    Es ist, auch wenn es einfach ist ein Bild / Text / Lied zu kopieren, schlicht verboten.

  5. Es ist sicherlich richtig, dass Bilder/Lieder und co nicht kopiert werden dürfen. Allerdings ist der Stein des Anstosses der, dass hier Bilder mit dem Ziel, dass sie kopiert werden produziert werden. Einem Bekannten ist genau das mit dem hier zitierten Beispiel ergangen.
    Es ist richtig, wenn man versucht eine Webpräsenz zu monetarisieren. Den Webmastern steht für ihre Mühe der Erstellung und Pflege etwas zu. Aber hier beschleicht einem das Gefühl, dass die genannte Präsenz ohne diese Abmahnungen nicht profitabel ist und eben dieses das Ziel der Seite ist…

  6. @Bildungskredit: Der Logik kann ich nicht ganz folgen. Wie hat der Webmaster es denn gemacht, dass das Ziel des Kopierens erreicht wurde?
    1. Er hat viele Bilder eingestellt?
    2. Er hat populäre Motive eingestellt?
    Oder was noch? Und wenn es von etwas viel gibt und es populär ist, darf ich das Urheberrecht verletzen? Oder welchen Gedankengang verfolgst Du?
    Natürlich geht es den ehrenwerten Herrschaften ums Abmahnen. Daran besteht kein Zweifel. Das funktioniert aber nur, weil jemand so blöd war, all die schönen Sachen, die sie so ansehnlich in ihrem Vorgarten platziert haben, auch zu klauen. Oder nicht?

  7. Sicher ändert das nichts am Tatbestand. Da gebe ich Dir vollkommen recht. Mein Gedankengang bezieht sich aber darauf, dass der der „normale“ (bitte keinesfalls in irgendeinerForm abwertend verstehen) Internetuser nicht über das Wissen verfügt, dass Bilder auf Websites urheberrechtlich geschützt sind.
    Ein wenig wie die Klingelton- oder Gewinnspiel-Abos…
    Bei den Gartenzwergen im Vorgarten weiss jeder, dass es verboten ist, diese zu klauen. Ein Bild von einer Seite zu kopieren, mag in solchen Augen kein Klauen sein, da es auf der Seite noch vorzufinden ist.
    Rechtlich einwandfrei, moralisch (in meinen Augen) verwerflich, da es eben Menschen trifft, die in der Regel finanziell schwächer gestellt sind.
    Hoffe, so ist mein Gedankengang verständlich geworden.

  8. Immerhin ist jetzt schon das Fernsehen aufmerksam geworden. Unterdessen hat sich auch die ARD-Sendung „Plusminus“ unter dem Titel „Abzocke im Internet“ mit den Praktiken von „Marions Kochbuch“ beschäftigt.

Kommentar verfassen