Der neue Physiologus – Enzyklopädie der Erfahrungen

Der neue Physiologus - Enzyklopädie der Erfahrungen

Kennen Sie sich eigentlich in den Wirklichkeitswissenschaften aus? Gar in den verschwundenen? Die Rede ist von Disziplinen wie Morologie, Nasenwissenschaft, Physiognomik, Mythos, Poesie oder die Lehre vom Ähnlichen. Wenn nicht, sollten Sie unbedingt dem „Neuen Physiologus“ einen längeren Besuch abstatten. Mit dem nicht ganz unbescheidenen Anspruch angetreten, Mensch und Welt sowie deren Beziehungen im endlich richtig zu erklären, bietet er ein Stichwortverzeichnis von „Aal“ bis „Zypresse“ – welches man aber tunlichst nicht alphabetisch, sondern systematisch erkunden sollte. Dabei zerfällt er in die beliebte Trilogie Menschen, Tiere, Sensationen.

Dass hier keine leichte, aber äußerst anregende Kost serviert wird, zeigt schon ein Blick ins Quellenverzeichnis: Französische Strukturalisten wie Roland Barthes („Eine Sprache der Liebe“) oder Jean Baudrillard sind hier genauso vertreten wie Arthur Schopenhauer und Bertold Brecht oder Ambrose Bierce, um nur wahllos einmal einige herauszugreifen. Aber auch Robert Anton Wilson („Illuminatus!“) lässt sich hier nachlesen, gleich neben dem Knigge und Loriot. Eine genial ausgesuchte und verknüpfte Textsammlung, die die Grenzen zwischen Philosophie und Literatur fließend macht und Lesestoff für Stunden bietet.

http://www.physiologus.de

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