Wire: The Drill

Wire: The DrillIn der Enzyklopädie der ganz wichtigen Punkbands gebührt Wire ein ganz besonderer Platz. Und tatsächlich war 1976 Punk die einzige Möglichkeit für Colin Newman (Gesang) und Graham Lewis (Bass), Musik zu machen, hatten sie doch so gut wie keine musikalische Erfahrung. Ihr erstes Album „Pink Flag“ von 1977 zählt zu den interessantesten und wegweisendsten Platten der frühen Punk-Ära. Die Kürze der Songs (auf 40 Minuten brachten Wire 21 Stücke unter) verliehen dem Album einen fragmentarischen, experimentellen Charakter. Die Erklärung der Band indes war lakonisch: „When the text ran out, it stopped.“ Wire waren schnell, laut, aggressiv, minimalistisch.

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Wire (Colin Newman und Bruce Gilbert) 1990 auf UK-Tour.

1980 trennten sich Wire, doch im Jahre 1986 kam es zu einer Re-Union, und auch die – mehr progressiven – Songs der späten Wire-Ära sind mehr als hörenswert. Die erste neue EP namens „Snakedrill“ (1986) enthielt das Stück „Drill“, welches sich im Laufe der Jahre mehr und mehr zu einer Art Konzept entwickelte, nahezu symbolisch stand für Wires Entwicklung von der Pop-Punk-Band hin zum Avantgarde-Synthie-Projekt. „The Drill“ von 1991 ist das Ende dieses Kapitels, es beinhaltet unter anderem sechs grundverschiedene „Drill“-Versionen, von „In Every City?“ (Originaltitel: „1 2 Drill U“) über „(A Berlin) Drill“ bis hin zur 30-minütigen Live-Version „(A Chicago) Drill (Live)“.

Sie drillen auch ganz schön vor sich hin, meist maschinengewehrknatterig, oft aber auch ungewohnt melancholisch, dann wieder verfremdet, aber immer, um es mit den Worten von Wire zu sagen, „in monophonic monorhythmic repetition“. Übrigens eine hintersinnige Idee, alle Titel, in denen das Wort „Drill“ nicht vorkommt, mit einem Fragezeichen zu versehen.

Wire: The Drill
CD, 1991, Mute / Intercord

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