Moby: Hotel

Moby: HotelDas Hotel bietet sich natürlich gerade bei über den Globus tourenden Popstars an als Metapher für Orte, die Fremdheit und Vertrautheit in einem bedeuten. Gleichzeitig kann der Titel im Gegensatz zu den redundanten Lines „Play“ und „18“ programmatisch gelesen werden: Wie das Hotel die unterschiedlichsten Bewohner unter einem Dach beherbergt, fasst Moby in „Hotel“ die unterschiedlichsten Stile zusammen, verschmilzt sie, oder lässt sie einfach nur nebeneinander stehen.

Während „Play“ und die stilistisch sehr verwandte „18“ vor allem durch Samples belebt wurden, hat Moby hier alle Instrumente bis auf das Schlagzeug alleine eingespielt und lässt sich auch im Gesang nur an einigen Stellen von Sängerin Laura Dawn unterstützen – die mit „Temptation“, einer Coverversion eines New-Order-Stücks, auch für eine der schönsten Balladen zuständig ist.

Überhaupt huldigt Moby an allen Ecken und Enden seinen musikalischen Vorbildern, „Spiders“ ist eine Verbeugung vor David Bowie, und „Raining Again“ scheint stark von Brian Eno inspiriert, wie auch die ruhigeren Ambient-Instrumentals, mit denen das Album ausklingt.

Wobei man den Ausklang auch verlängern kann: Gegen wenige Euro mehr, die man unbedingt investieren sollte, ist „Hotel“ auch als Doppelalbum zu haben, die zweite CD ist dabei als „Ambient CD“ bezeichnet und enthält demzufolge auch rein instrumentale, äußerst sphärische Sounds, die wie Filmmusik Bilder im Kopf entstehen lassen. Im Grunde hätte diese CD schon eine Veröffentlichung für sich rechtfertigt, so rundet sie das Werk in eine introvertierte Richtung sehr schön ab.

„Hotel“ birgt insgesamt eine ganze Palette von Stimmungen, die Single-Auskopplung „Lift Me Up“ führt einen fast schon übermütigen Moby vor, insgesamt aber schlägt bei den fein ziselierten Popsongs immer wieder der melancholische Unterton durch, den wir an Moby seit „Porcelain“ kennen und lieben. Und auch wenn die Tracks insgesamt nicht ganz so rattenfängerisch zupacken wie auf „Play“, ist „Hotel“ doch eine CD geworden, die man immer wieder hören möchte.

Moby: Hotel
CD, 2005, Mute / EMI

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