Devo: Total Devo

Devo: Total Devo„15 digital cartoons from the de-evolution band“: Kann so etwas retrospektiv besehen noch zeitgemäß sein? Es kann: auf eine sehr merkwürdige, konsequent alle popmusikalischen Neuerungen der letzten 15 Jahre missverstehende und leugnende Art kann es das. In Kalifornien gehen die Uhren sowieso anders. „Total Devo“ ist genial pompöse, schrill überzogene Aufgeblasenheit: Wir stehen vor dieser Musik ähnlich peinlich fasziniert wie vor einer Frau, die sich zu stark geschminkt hat. Man höre sich nur die vollkommen bescheuerte Cover-Version von Presleys „Don’t Be Cruel“ an, oder das komplett überdreht hysterische „Agitated“.

Devo legen hier einen durch völlige Überproduktion zum Monster mutierten 82er New-Wave vor und wiederholen damit von der Vorgehensweise das, was The Clash 1985 mit „Cut The Crap“ gemacht haben: die eigenen Verdienste durch die Technik-Mangel drehen. Im Gegensatz zu letzteren aber mit bedeutend mehr Humor. So langt es gerade noch zum positiven Resümee, denn natürlich kommt dieses Werk noch nicht einmal in die Nähe der Genialität des von Brian Eno produzierten Erstlings „Are We Not Men? We Are Devo“ (1978), bietet aber einen angemessenen, in diesem Fall reichlich eklektizistisch ausgefallenen, stets aber durchaus ausgeklügelten Klangteppich für Sänger Mark Mothersbaugh, der sich wie stets atemlos hechelnd durch die hier eher schlichten Kompositionen jammert, heult und schreit.

Devo: Total Devo
CD, 1991, Play It Again Sam / SPV

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