Kategorie-Archiv: Elchkritik

Clowns sind böse

joker.jpgWir wussten es schon immer: Clowns sind böse. Spätestens seit in den 70er und 80er Jahren die „Clownpower“ eines Jango Edwards oder das „zärtliche Gefühl“ eines Hermann van Veen zur letzten Wunderwaffe des dahinsiechenden Hippietums wurden, avancierte der Clown zum veritablen Feindbild der progressiven Kräfte, damals durch Punk und New Wave vertreten. „Gefährliche Clowns stehen am Straßenrand“, warnte die Düsseldorfer Avantgarde-Popband Der Plan, und subversiv wurde das Kleinkunstidyll der Hippiefraktion nicht zuletzt dadurch unterwandert, dass die Clownsfigur sukzessive von den Horrorfilmfans annektiert wurde. Schließlich ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass das klassische Make-up des Clowns sehr gruselige Elemente beinhaltet: sei es die weiße Gesichtsfarbe, die an Leichen oder Zombies gemahnt, oder der blutrote Mund, der etwas Vampirisches hat.

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Marions Kochbuch: erfolgreich mit Brötchen und Toast

toastbrotscheibe.jpgUnlängst war in der c’t ein interessanter Artikel von Holger Bleich mit dem Titel „Abgekocht“ zu lesen. Es ging um die Website „Marions Kochbuch“ und im Speziellen um den Website-Betreiber Folkert Knieper, der, so die c’t, „mit Lebensmittelfotos Kasse macht“. Die von ihm aufgenommenen Fotos, die die Rezepte illustrieren, sind dabei oft von profanster Art und – ein Schelm, wer Arges dabei denkt – in der Google-Bildersuche äußerst leicht aufzufinden. Ob man nun „Frikadelle“, „Nudelsalat“, „Brötchen“ oder „Toast“ eingibt, immer ist unter den ersten Treffern ein Foto aus „Marions Kochbuch“. So nimmt es nicht wunder, dass viele, die eben mal schnell eine entsprechende Abbildung brauchen, sich dort bedienen.

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Der Trauerschwan und das Tretboot

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Schwan (Cygnus atratus) und Schwan (human powered). Foto: dpa.

Der Trauerschwan zeichnet sich nicht nur durch seine schwarze Farbe aus, sondern auch durch seine streng monogame Einstellung in Sachen Liebe. Umso tragischer, wenn diese so offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist wie beim Trauerschwan „schwarzer Peter“, der auf dem Aasee in Münster schon seit mehreren Monaten tiefe Zuneigung zu einem Tretboot in Schwanenform zeigt. Stets in dessen Nähe bleibend, verscheucht er wütend jeden, der sich dem Freizeitvehikel nähert, was dessen Verleiher mit einem weinenden und einen lachenden Auge sieht: Einerseits ist das weiße Schwanboot schwer zu vermieten, andererseits steigert es die Popularität des Bootsverleihers im Ganzen. Schon werden in Münster Kristallkugeln verkauft, die das ungleiche Paar in schneiender Winteridylle zeigen.

Der Tierliebe des Bootsverleihers ist es zu verdanken, dass diese Idylle auch tatsächlich nicht getrübt wird. Denn eigentlich sollte das Boot zum Winter hin aus dem See entfernt werden, um der Gefahr des Einfrierens zu begegnen. Nun ist es hingegen beschlossene Sache, dass das Paar gemeinsam in den Allwetterzoo von Münster umziehen darf. Durch Kanäle wird das Tretboot an den neuen Bestimmungsort gefahren, was den Trauerschwan sicher zum Mitkommen bewegen wird. Die Unterstützung eines Sponsors und ein Schwanenfonds der Stiftung Artenschutz stellen sicher, dass es dem Tier an nichts mangeln wird. Im Frühjahr können dann beide wieder in den Aasee zurückkehren.

IKEA und die Duzerei

IKEA-Katalog 2006Normalerweise freue ich mich ja immer auf den neuen IKEA-Katalog und blättere ihn gerne durch, um im Geiste meine Wohnung mit neuen Möbeln mit so klangvollen Namen wie LEKSVIK auszustatten. Doch wie entsetzt war ich, direkt auf den ersten Seiten gnadenlos geduzt zu werden: „IKEA feiert seinen 30. Geburtstag. Feier mit!“ Das nicht etwa auf den Kinderseiten, nein, die meinen mich! Und auch, wenn auf manchen Seiten wieder Hoffnung auf eine würdige Anrede aufkeimt, etwa auf Seite 179 bei der Beschreibung des Weckers SLABANG („Kreieren Sie Ihren persönlichen Weckerton“), handelt es sich nur um vereinzelte Siez-Ausrutscher, ansonsten herrscht der harsche Duz-Imperativ: „Schaff dir deinen Erfrischungsraum!“, heißt es streng, und: „Mach dir Notizen!“

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John Maxwell Coetzee: Nobelpreisrede

Gemein: Engländer entführen unsere Enten!
Mit wachsender Bestürzung habe ich heute die Nobelpreisrede von John Maxwell Coetzee gelesen. Unter anderem ging es um Enten bei Lincolnshire:
„Das Sumpfland beherbergt auch viele andere Vögel, schreibt sein Mann, Enten und Stockenten, Krickenten und Pfeifenten. Um die zu fangen, züchten die Leute vom Sumpfland zahme Enten, die sie Lockenten nennen.“

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