Das Dokument des Grauens

grauen1.jpgEs kommt eher selten vor, dass ein Autor sein Buch bereits vor Fertigstellung veröffentlicht – und noch seltener, dass die Veröffentlichung dann kostenlos zu haben ist. Beides ist der Fall beim arrivierten Buchprojekt „Das Dokument des Grauens – Die Geschichte des Horrorfilms“ von Ralf Ramge, eine umfangreiche und reich bebilderte Enzyklopädie von bis dato 812 Druckseiten, die als PDF-Dokument frei verfügbar ist.

Ramge beschreibt seine Motivation zum Schreiben des Buchs selbst als Versuch, „aus Lust und Spaß an der Freude eine umfangreiche Chronik des Horrorfilms auf die Beine zu stellen“. Auf der Suche nach einem wirklich Hintergründe vermittelnden Buch war er weder in Europa noch in den USA fündig geworden und handelt nun nach der Devise: „Wenn ich ein Buch unbedingt haben möchte, welches es nicht gibt … dann schreibe ich es eben selbst!“

grauen2.jpgDas Ergebnis ist schon jetzt beeindruckend: Mit einer „kurzen Reise durch die Zeit“ geht es los, Ramge reist weit zurück und sucht das Grauen bei den Katharern, bei der heiligen Inquisition, bei der Pest des Mittelalters. Archetypen wie die historische „Dracula“-Figur Vlad der Pfähler oder Jack the Ripper werden ebenso behandelt wie das Grauen in der Kunst, etwa bei Hieronymus Bosch.

grauen3.jpgSchließlich sind wir bei der Erfindung des Films und siehe da, schon die ersten Filme waren Horrorfilme: „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Der Golem“, „Nosferatu“. Zwischen filmhistorischen Erörterungen geht Ramge in ausführlichen und hervorragend recherchierten Filmbesprechungen tiefer in die Materie, als es wohl je ein Filmkritiker getan hat. Bei manchen Filmen hangelt er sich quasi von Szene zu Szene und beleuchtet haarklein mit einer Genauigkeit, wie sie nur Enthusiasten aufbringen können, Stärken und Schwächen der Produktion. All dies in einer geschliffenen Sprache, so dass es zum Vergnügen gereicht, seinen stets kurzweiligen Ausführungen zu folgen.

„Das Dokument des Grauens“ ist noch weit von seiner Fertigstellung entfernt: Ralf Ramge hat sich bislang (Version vom 14. August 2006) gerade einmal bis zum Jahr 1932 vorgearbeitet – auf seiner Website retro-park.ch kann man sich über den Fortschritt des Buches auf dem Laufenden halten. Doch schon jetzt ist absehbar, dass das Buch, wenn es denn je fertig werden sollte, ein Jahrhundertwerk darstellen wird, unübertroffen an Akribie und virtuosem Umgang mit einem Thema, zu dem es Publikationen der oberflächlichen Art zwar schon in großer Zahl gibt, das aber meines Wissens noch nie so profund angepackt wurde. Man darf gespannt sein!

„Das Dokument des Grauens – Die Geschichte des Horrorfilms“

2 Gedanken zu „Das Dokument des Grauens

  1. Obwohl ich ja ehrlich gesagt „Spaß an der Freud“ im Zusammenhang mit „Horrorfilm“ etwas pervers finde, kann ich nur staunen, wie umfassend dieses Thema behandelt wird. Auch für mich als „Außenstehende“ (ich kann einfach kein Blut sehen ;-)) ist die Verbindung zu Archetypen der Menschheit und zu Geschichte und Kunstgeschichte, die viele gut gemachte (es gibt ja auch wirklich ekligen Schund) Horrorfilme aufweisen, sehr interessant. Und die expressionistische Variante der frühen Dracula-Filme ist mir allein aus professioneller Beschäftigung mit der Epoche sehr ans Herz gewachsen.
    Wirklich Hut ab vor diesem Projekt!!

  2. Danke für den Tipp.
    Hab zwar nur grad mal kurz reingeguckt, aber das Buch ist ja wirklich sehr ausführlich, nach Vollendung dürfte das ja Brockhaushafte Ausmaße haben.

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