Die Kölner Parkhaus-Tour

architaxi.jpgSollte ich diesen Artikel nun unter „Automobile“ einordnen? Aufgrund der Nerdlastigkeit dann doch lieber unter „Ingenieure“, die Unterrubrik „Architekten“ muss man sich dazudenken. Parkhäuser werden normalerweise nur als lästiges Übel wahrgenommen, können aber auch ihren ganz eigenen Zauber und architektonischen Reiz haben. Nicht von ungefähr gehört das Plastikparkhaus mit Aufzug und Rampe zu den Spielzeug-Klassikern für autobegeisterte Jungs. Und da ich ein solcher immer geblieben bin, war ich sofort dabei, als das Kölner Architaxineues Fenster zu einer Tour quer durch Kölner Parkhäuser einlud.

Auch Udoneues Fenster, von dem die nachfolgenden Fotos stammen, war schnell begeistert. Und Begeisterungsfähigkeit musste man schon beim ersten Objekt mitbringen, dem Aral-Parkhaus in der Cäcilienstraße, einem zwar kühn geschwungenen, aber leider auch reichlich verkommenen Zweckbau mit Milchglasfenstern aus den 50er Jahren.

Aral-Parkhaus
Das Aral-Parkhaus gefällt mit runden Ecken.

Der Funke will zunächst noch nicht so recht überspringen, aber der ArchiTaxi-Führer redet sich den Mund fusselig über die geschwungenen Ecken, die so elegant den Auffahrrampen folgen, über die filigrane, ja nachgerade zarte Betonkonstruktion … und schließlich geschieht das Wunder, wo andere nur milchglasverkleidete Tristesse sehen, nehmen wir plötzlich großartige architektonische Ideen wahr.

Kaufhof-Parkhaus
Eine Kathedrale des ruhenden Verkehrs: das Kaufhof-Parkhaus.

So eingestimmt, ist es uns ein Leichtes, das nächste Objekt, das alte Kaufhof-Parkhaus, gebührend zu bewundern. Immerhin ist dies auch das einzige Parkhaus in Köln, welches unter Denkmalschutz steht, und weiß vor allem mit einer kombinierten An- und Abfahrts-Doppelschraube zu begeistern. Ein Kleinod: das – kaum genutzte – Treppenhaus mit gläserner Verkleidung, welches sein Licht von oben durch eine wunderschöne Kuppel aus Glaskugeln erhält. Traumhaft.

Kaufhof-Parkhaus 2
Ich, die ArchiTaxis und das Weltstadthaus.

Weiter geht es, in den recht modernen Erweiterungsbau direkt daneben, dessen oberstes (Sonnen-)Deck derzeit als Strandbar dient. Nun ja. Ein Profanbau ohne besondere Highlights mit hälftig nebeneinander versetzten Etagen und entsprechend kurzen Rampen, dessen größte Attraktion sicher der Blick auf das nahe Weltstadthaus von Renzo Piano ist, das als großer gläserner gestrandeter Wal über 130 Meter Länge das Viertel prägt. Und diesen Blick dürfen wir recht lange bewundern, denn auf unserer Tour ist auch der Architekt des Parkhauses dabei, der nun einiges über Zweckbestimmung, Auflagen und Ähnliches in seinen Bart nuschelt, ohne dass jemand von uns die Chance hätte, ein Wort zu verstehen.

Tiefgarage Ringkarree
Zweispurige Rampen unter dem Ringkarree.

Es folgen einige nicht so beeindruckende Zwischenstationen. Erwähnenswert ist vielleicht noch das Kaiser-Wilhelm-Parkhaus am Hohenzollernring, welches als wohl einzige Tiefgarage Bodenschwellen zum Stoppen von Rasern hat – zu oft wurde es mit seinen zwei gegenüberliegenden Ausfahrten genutzt, um Staus am Ring zu unterfahren. Recht beeindruckend ist dann wieder die Tiefgarage unter dem Ringkarree von Sir Norman Foster. Zum einen beeindrucken die breiten, doppelspurigen und jeweils über zwei Etagen gezogenen Rampen, zum anderen gefällt die Idee, im Parkhaus eine mittelalterliche Stadtmauer integriert zu belassen.

Tiefgarage Rheinauhafen
Beeindruckend durch schiere Länge: die Tiefgarage im Rheinauhafen.

Krönender Abschluss der großartigen Führung ist ein Abstecher ans Rheinufer und Ziel ist natürlich die längste Tiefgarage Europas im Rheinauhafen: Rund 1,6 km muss man fahren, bis man alle rund 2.000 Parkplätze gesehen hat. Immerhin: ganz ohne Bodenschwellen.

4 Gedanken zu „Die Kölner Parkhaus-Tour

  1. Mensch, bin ich traurig, dass ich nicht mitkonnte. Vor allem mein absolutes Lieblings-Parkhaus – das, das wie das Guggenheim-Museum mit einer wunderbaren organischen Schneckenform fasziniert – das hätte ich gerne mal aus Architekten-Experten-Sicht besprochen bekommen.
    Die neueren Parkhäuser sind vielleicht nicht so mein Ding. Bei denen der fünfziger Jahre finde ich eine Ästhetik, die sich vor allem an den „Blechkäfern“ freut, wie sie der Generalplaner des Wiederaufbaus der Stadt Köln, Rudolf Schwarz nannte.
    Heute ist man ja eher genervt von Verkehr und Stau (vor allem, weil die Baustellen einen zum Wahnsinn treiben).
    Der damalige, noch recht überschaubare, Fluß der Automobile wurde gern gesehen. Auch Riphahn plante das Vorbeiflanieren im Straßenkreuzer mit Blick auf die Oper. Die Nord-Süd-Fahrt ist von ihm tatsächlich als städtebaulich rundes Konzept angedacht gewesen. Was dann daraus geworden ist: dieser brutale Schnitt durch die Stadt, das hat er so dann vielleicht doch nicht gewollt.
    Beim nächsten ArchiTaxi will ich aber endlich mal mitfahren.

  2. ARCHIHELI – über und über Architektur

    Mir hat das Konzept von der Gruppe „Kölnarchitektur“ von Anfang an gefallen. Die frische und „abgefahrene“ Vermittlung von Architekturprojekten im Stadtraum ist mit verschiedenen Programmen wie Architaxi und Archipedes ein besonderes Highlight im ries…

  3. Nein, das oberste Deck mit der Strandbar ist jetzt „Fußgängerzone“, es wäre der Atmosphäre ja auch eher abträglich, wenn zwischen den Liegestühlen Autos führen und stünden. Weitere Infos gibt es unter http://www.skybeach.de.
    Das Dach des benachbarten Kaiser-Wilhelm-Parkhauses ist allerdings mit dem Auto befahrbar.

  4. Toller Artikel!
    Ich brauche demnächst für einen Photoshoot eine gute Location auf dem Dach eines Parkhauses und hier krieg ich ja schonmal paar Eindrücke.
    Kann man mit dem Auto gar nicht nach ganz oben wo doch jetzt die Strandbar dort ist?

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