Das Comic-Auto von André Franquin: Turbotraction 2

Neben Hergé gehörte André Franquin (1924–1997) sicher zu den einflussreichsten Comiczeichnern Europas. Sein Marsupilami ist ebenso unvergessen wie der trottelige, aber äußerst kreative Verlagsangestellte Gaston („Was denn?“). Ebenso wie Hergé zeichnete Franquin im als Ligne Claire bekanntgewordenen Realismus, wozu auch eine liebevolle und detaillierte Darstellung der Autos gehörte.

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Wouw! Spirou und Fantasio sehen das erste Mal den Turbotraction.

Franquin begnügte sich aber nicht damit, die bekannten Modelle der 50er und 60er Jahre in seinen Comic-Stil zu überführen, sondern schuf auch eigene Kreationen. Legendär ist sein „Turbotraction“, der das erste Mal 1954 in seinen „Spirou“-Comics auftauchte. Der schnittige Sportwagen aus der fiktiven Autoschmiede Turbot verfügte, wie sein Name schon andeutet, über einen neuartigen Turbinenantrieb. Das war gar nicht so weit hergeholt, denn tatsächlich experimentierte in den 50er Jahren beispielsweise Rover in England mit Turbinenmotoren für Autos.


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1957 wurde der Turbotraction vom Turbotraction 2 abgelöst.

Der Turbotraction wurde bereits 1957 vom Turbotraction 2 abgelöst, die noch eher konventionellen und rundlichen Formen wichen einem deutlich von der amerikanischen Heckflossenmode beeinflussten, futuristischen Stil. Ein ausklappbares Glaskuppeldach machte den 250 km/h schnellen Roadster zum Coupé, auf Knopfdruck versenkbare Türen – eine Idee, die BMW später bei seinem Z 1 aufgriff – sorgten für mühelosen Einstieg.

Drei Kölner Fahrzeugtechnikern ist es zu verdanken, dass das Phantasiemobil nun tatsächlich realisiert wurde. Die Studenten Dino Demma, Daniel Justen und Sebastian Zander bauten für einen monegassischen Auftraggeber in 12 Monaten den Turbotraction 2 nach und lieferten damit gleichzeitig ihre Diplomarbeit ab. Das Einzelstück wurde in der Mailänder Karosseriemanufaktur „Gran Turismo Milano“ gefertigt und ist voll fahrbereit, auch wenn die Studenten statt des schwer zu realisierenden Turbinenmotors einen konventionellen Antrieb wählten.

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Ein Comic-Auto in der Realität: der Turbotraction 2 in Brüssel.

Als außerordentlich schwierig erwies sich die Umsetzung, da die automobile Schöpfung von Franquin auf jedem Comicbild etwas anders aussah. Außerdem war das Auto so flach gezeichnet, dass bei den Maßenm überhaupt einen Motor einbauen zu können. Die Studenten entwickelten den konkreten Bauplan, indem sie alle Messdaten aus den Comics in ein CAD-Programm überführten, sodass im Computer ein 3-D-Modell realisiert werden konnte. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen und ist noch bis zum 15. April 2007 auf der AUTOWORLD in Brüssel im Rahmen der Sonderausstellung „Le Monde de Franquin“ zu bewundern. Anschließend geht der Wagen in den Besitz des Auftraggebers über.

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